Dreamnight Vivarium 2026

Dreamnight sorgt für Lächeln

Die Dreamnight ist eine besondere Aktion im Zoo, bei  der schwerkranke Kinder im Mittelpunkt stehen.
Sie lernen dabei auch, dass sich Schildkröten anders anfühlen als gedacht.

Von Tobias Lorenz

DARMSTADT. Wann bekommt man schon mal die Gelegenheit, mit Totenkopfäffchen auf Tuchfühlung zu gehen? Die Begeisterung der vielen Kinder ist entsprechend groß, als sich die Tür zum Gehege der äußerst neugierigen Äffchen öffnet. Dass der geplante Crêpes-Stand wegen des Regenwetters aus dem Programm weichen muss, ist da ganz schnell vergessen. Schließlich hat das Vivarium auch sonst eine Menge zu bieten. Allen voran ganz viel Zeit für die besonderen Besucher. Denn auf Einladung des Vereins für krebskranke und chronisch kranke Kinder Darmstadt sind viele Familien mit schweren Schicksalen im Vivarium zu Gast.

Riesenschildkröten und Affen hautnah erleben

An diesem Abend standen die Kinder im Mittelpunkt. Sogar das Wetter hatte ein Einsehen und ließ dem Dauerregen rechtzeitig ein wenig Sonnenschein folgen. Abseits vom täglichen Zoo-Trubel nahmen sich die Mitarbeiter Zeit für kleine und große zwischenmenschliche Momente.

„Es ist superschön, dass wir hier mitmachen können. Man kann sich Zeit für die Kinder nehmen, ganz ohne Stress“, meint Kuratorin und Tierärztin Elisa Horlacher, als sie den Kindern gerade erklärt, dass der Panzer der Riesenschildkröte keine tote Masse ist. Der harte Panzer sei nämlich voller Nerven. Die großen Tiere, die bis zu 180 Jahre alt werden, spüren es, wenn sie von den Kindern angefasst werden.

Große Dankbarkeit bei den Eltern

„Der Panzer fühlt sich an wie Holz“, meint der achtjährige Shawn, der auch die ledrige Haut an den Füßen anfassen darf. Vom Mund sollte man die Finger aber besser fernhalten, denn die Schildkröten können – zumindest theoretisch – stark zuschnappen, klärt Horlacher auf.

Die Kinder und Familien, die hier im Mittelpunkt stehen, haben teils schwere Schicksale zu verkraften. Vom Kind mit schwerem ADHS über verschiedenste körperliche und geistige Behinderungen. Auch Herz- und Krebskranke Kinder sind Teil der 200 eingeladenen Familien.

Für die Gäste wird das Vivarium früher geschlossen. So wird ein geschützter Raum geschaffen, in dem es auch einige besondere Aktionen und Stationen wie eben das Betreten einiger Tiergehege, ein Glücksrad, die Rollrutsche oder Mikroskopieren gibt.

Dass es diese Möglichkeit gibt, weiß Familie Moritz zu schätzen. „Es ist toll für die Kinder, nicht nur in Büchern etwas zu sehen und zu lernen.“ Im Alltag würden die Kinder häufig als zu laut, störend oder aufwendig wahrgenommen werden. Hier sei man einfach herzlich willkommen. „Das ist eine sehr große Wertschätzung für den Verein, ein Zeichen von Zusammenhalt“, ist sich Familie Moritz einig. „Einfach mal etwas Ablenkung, Normalität, Familienzeit.“ So beschreiben es die Eltern der kleinen Clara, die an einem der schwersten möglichen Herzfehler leidet. Ihre Dankbarkeit gegenüber dem Verein für krebskranke und chronisch kranke Kinder ist groß. Von Anfang an sei man unterstützt worden, bei Fragen der Bürokratie über das Kindeswohl bis hin zur Vernetzung mit Experten und Ansprechpartnern.

Vivarium als zweiter Zoo in Deutschland dabei

1996 vom Zoo Rotterdam initiiert, beteiligen sich heute mehr als 150 Einrichtungen weltweit an der Dreamnight. Seit dem ersten Mal im Vivarium dabei ist Heidrun Thinius, die Sachgebietsleiterin Zootierpflege. Sie führt die Familien gerade ins Gehege der Totenkopfäffchen. „Alles gut einpacken“, denn die frechen Affen klauen gerne, warnt sie. Dann geht die Tür der Schleuse auf und das Staunen der Kinder beginnt. Immer mehr Affen strömen herbei und zeigen sich neugierig, wer denn da zu Besuch ist. Schon sitzen einige Affen auf den Schultern von Shawn, der zuvor noch die Schildkröte gestreichelt hat. Ganz kurz dürfen sie dort verweilen, dann muss Heidrun Thinius Spielverderberin sein. Denn die Affen sollen sich nicht an die Menschen gewöhnen. Nach einer kurzen Klettertour über Rücken und Schultern des Redaktionsfotografen lassen die kleinen Kletterkünstler von den Besuchern ab und widmen sich wieder dem Futter auf dem Boden.

„Für uns ist es ein langer Tag, aber das machen wir gerne. Man spürt die Dankbarkeit und es macht Spaß, den Kindern etwas Besonderes zu zeigen“, meint Thinius. Bei einem internationalen Tierpflegertreffen wurde sie auf die Aktion aufmerksam, seit 2004 gibt es sie mit wenigen Unterbrechungen in Darmstadt – das Vivarium war als zweiter Zoo in Deutschland dabei.

Und die Aktion kommt gut an: Die Kinder fragen das ganze Jahr über immer wieder nach, wann die nächste Dreamnight stattfindet, sagt Thinius. Auch unabhängig davon wird der nächste Besuch im Vivarium nicht lange auf sich warten lassen: Denn am Glücksrad gibt es neben Süßigkeiten auch Freikarten zu gewinnen.

Im Hintergrund: Tierärztin und Kuratorin Elisa Horlacher

Eltern und Kinder waren gleichermaßen von den Tieren begeistert. Bei den Riesenschildkröten lernten sie von Tierärztin und Kuratorin Elisa Horlacher (im Hintergrund) zudem einiges Wissenswertes.

Foto: Guido Schiek